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Erdgas handeln – Trading mit Rohstoffen

  • Beitrags-Kategorie:Rohstoffe
  • Lesedauer:10 min Lesezeit

Inhaltsverzeichnis

Oftmals vergessen wird jedoch die Möglichkeit, mit Erdgas zu handeln. Völlig zu Unrecht, denn Erdgas ist vermutlich derjenige fossile Energieträger mit dem größten Zukunftspotenzial. Im folgenden Artikel wollen wir Ihnen erklären, warum dies so ist und welche Einsatzgebiete Erdgas sonst noch hat. Außerdem klären wir Sie darüber auf, wie Sie am besten Erdgas handeln können. Wir schildern Ihnen alle relevanten Einflussfaktoren auf den Erdgas-Preis und erläutern Ihnen, wie Sie mit Erdgas-CFDs an der Preisentwicklung partizipieren können.

Welche Verwendungen gibt es für Erdgas?

Brückentechnologie für erneuerbare Energien

Das Problem von Sonnen- und Windenergie ist, dass sie sehr volatil sind, da sie nur bei optimalen Wetterbedingungen auch wirklich Strom erzeugen. Daher werden Brückentechnologien benötigt, die auch dann eine konstante Stromversorgung sicherstellen, wenn das Wetter ungünstig ist. Genau hier kommt Erdgas ins Spiel. Es kann in dreierlei Hinsicht die Volatilität der erneuerbaren Energien abmildern.

Zum einen kann Erdgas Flauten der erneuerbaren Energien ausgleichen, indem es direkt zur Stromerzeugung benutzt wird. Diese Methode verursacht weit weniger CO2-Ausstoß als die Verfeuerung von Kohle und Öl, bietet eine starke Leistungsfähigkeit und liefert dank der sogenannten Schnellstartfähigkeit von Erdgas sofort verfügbare Energie.

Auch als Speichermedium für zu viel erzeugte erneuerbare Energie, deren Einspeisung ins Stromnetz nicht unmittelbar möglich ist, kann Erdgas fungieren. Das sogenannte Power-to-Gas-Verfahren sorgt dafür, dass durch Elektrolyse Wasserstoff erzeugt wird, der ins Erdgas-Netz überführt oder über Methanisierung in synthetisches Erdgas umgewandelt wird. Konventionelles und synthetisches Erdgas bzw. Wasserstoff werden also gemischt.

Zum dritten ist Erdgas ein hervorragendes Transportmedium für grünen Wasserstoff. H2 gilt als Energiespeicher der Zukunft, verflüchtigt sich allerdings schnell und ist generell schwierig zu transportieren. Indem Wasserstoff Erdgas beigemischt wird, entfällt das Transportproblem. Zudem kann auf die bereits bestehende Gasleitungs-Infrastruktur zurückgegriffen werden. Die Beifügung von Wasserstoff ist bis zu einem Anteil von etwa 20 Prozent möglich.

Erzeugung von Wärme zum Heizen

Das heutzutage sicherlich noch am weitesten verbreitete Einsatzgebiet von Erdgas ist die Erzeugung von Heizwärme. Vorteile: Erdgas muss nicht wie Öl umständlich bevorratet werden, ist wesentlich preiswerter und nahezu überall verfügbar, sobald ein entsprechender Anschluss gelegt wurde. Prinzipiell funktioniert das Heizen so, dass Erdgas verbrannt wird und die entstehende Wärmeenergie dann an das Heizwasser abgegeben wird. Dieses Wasser wird dann über Rohrleitungen zu den Heizkörpern geführt.

Verwendung als Kraftstoff für Autos

Als sogenanntes CNG (Compressed Natural Gas) kommt Erdgas auch als alternativer Kraftstoff infrage. Nahezu alle Fahrzeuge mit Ottomotoren lassen sich auf den Erdgasantrieb umrüsten. Dazu erhalten die Fahrzeuge einen entsprechenden Druckluftbehälter im Kofferraum, der mit dem stark komprimierten Erdgas befüllt wird. Außerdem ist eine geringfügige Modifikation des Motors nötig. Getankt werden kann das Erdgas an speziellen Tankstellen.

Wie groß sind die Vorkommen von Erdgas und wo liegen sie?

Die weltweiten Erdgasvorkommen sind in zwei Kategorien zu untergliedern, nämlich die sogenannten Reserven und die Ressourcen. Unter Reserven versteht man Erdgas, welches bereits exploriert wurde und dessen Förderung nach aktuellem Stand der Technik wirtschaftlich realisierbar ist. Demgegenüber sind mit Ressourcen diejenigen Erdgasvorkommen gemeint, die zwar exploriert wurden, deren Abbau aber momentan unter technischen oder ökonomischen Gesichtspunkten nicht sinnvoll ist.

Nach heutigem Wissensstand reichen die Erdgasreserven bei Annahme eines konstant bleibenden Verbrauchsniveaus noch etwa 60 Jahre. Mit den zurzeit bekannten Ressourcen würden man den aktuellen Verbrauch noch knapp 150 Jahre lang decken können. Beide Werte liegen deutlich über den korrespondierenden Schätzungen zu Erdöl.

Erdgas ist rund um den Globus in vielen verschiedenen Ländern und auf allen Kontinenten vertreten. Bei den Reserven sind die fünf größten Vorkommen in folgenden Ländern lokalisiert (sortiert nach absteigender Reihenfolge):

Chart by Visualizer

Welche Einflussfaktoren gibt es auf den Erdgas-Preis?

Klima und Wetterextreme

Je kälter der Winter global wird, desto mehr Heizenergie wird verbraucht und desto mehr Erdgas wird benötigt. Strengere Winter lassen den Erdgaspreis also steigen. Im Winter 2020 / 2021 hatte die kalte Jahreszeit in den USA außergewöhnlich früh begonnen. Die Menschen heizten dementsprechend früher und mehr als üblich, was die Lagerbestände entsprechend stark aufzehrte. Zwischendurch waren die Witterungsbedingungen derart widrig, dass man sogar teilweise mit der Förderung aussetzen musste. Beides wirkte preistreibend.

Erdgas-Lagerbestände

Die US-Energiebehörde gibt öffentliche Wasserstandsmeldungen über die jeweils aktuellen Erdgas-Lagerbestände der USA heraus. Diese werden regelmäßig nach Ende des Winters wieder aufgefüllt. Je niedriger die Lagerbestände, desto positiver wirkt sich dies auf den Preis für Erdgas aus und umgekehrt. Die Höhe der Lagerbestände hängt wiederum vom zuvor beschriebenen Verbrauch in den Wintermonaten ab.

Ölpreis

Auch wenn die Ölpreiskopplung für Erdgas nicht mehr in Verträgen mit privaten Verbrauchern vorkommen darf, so bewegen sich die Preise der beiden fossilen Energiequellen auf den Weltmärkten dennoch sehr ähnlich zueinander. Niedrige Erdöl-Preise ziehen ebenso niedrige Erdgas-Preise nach sich.

Konjunkturlage

Wenn die Industrieproduktion weltweit auf Hochtouren läuft, werden große Mengen Erdöl und Erdgas benötigt, was sich entsprechend preistreibend auswirkt. Umgekehrt führt eine Rezession zu tiefen Einschnitten in den Weltmarktpreisen. Auch auf geopolitischem Terrain ausgetragene kalte oder heiße Konflikte dämpfen die Konjunkturlage und wirken sich entsprechend aus dem Erdgas-Preis aus.

Hat die Saisonalität einen Einfluss auf Erdgas?

Wenn Sie Rohstoffe handeln, sollte Sie in jedem Fall deren Saisonalität (sofern vorhanden) kennen. Unter Saisonalität versteht man das wiederkehrende Eintreten bestimmter Preisentwicklungen in einem definierten Zeitraum eines Jahres. Bei Erdgas kann ein solches zyklisches Verhalten beobachtet werden. Wie bereits im vorherigen Abschnitt beschrieben, werden die US-Erdgasbestände zum Ende der kalten Jahreszeit wieder aufgefüllt. Konkret beginnen die USA damit meist Ende Februar bzw. Anfang März. Somit steigt in diesem Zeitraum regelmäßig die Erdgasnachfrage. Demgemäß ziehen auch die Erdgas-Preise in der Regel ab März an. Dies sollten Sie unbedingt beachten, wenn Sie mit Erdgas handeln.

Erdgas-Preis Prognose: Wie entwickelt sich der Erdgas-Preis bis 2025?

Erdgas zu handeln ist allerdings dann gefährlich, wenn sich die Weltwirtschaft in einer Rezession befindet. Dies liegt daran, dass vor allem energieintensive Industriebetriebe wichtige Erdgasabnehmer sind. Die Corona-Krise hat dies im Jahr 2020 eindrucksvoll bewiesen. Erdgas verhält sich also ähnlich zu Öl und ist abhängig von der Weltwirtschaft und geopolitischen Einflussfaktoren.

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Wie kann man Erdgas handeln?

Erdgas ist ein Rohstoff, der im Gegensatz zu Edelmetallen nicht so einfach physisch am Kassamarkt erworben werden kann. Wer Erdgas handeln will, muss somit auf indirekte Investments zurückgreifen. Neben ETPs (Exchange Trades Products) kommt hierfür auch der Handel mit CFDs infrage.

Ein ETP ist nichts anderes als ein börsengehandeltes Finanzinstrument, welches einen bestimmten Index oder einen bestimmten Basiswert abbildet. Mit einem solchen Indexzertifikat können Sie sich also langfristig an der Preisentwicklung von Erdgas partizipieren.

Um kurzfristig Erdgas zu handeln, eignet sich hingegen ein CFD besser. Unter dem Begriff CFD (contract for difference bzw. auf Deutsch Differenzkontrakt) werden derivative Finanzprodukte, bei denen man einen Vertrag mit seinem Broker auf einen bestimmten Basiswert (hier: den Erdgas-Preis) abschließt, zusammengefasst. Mit einem CFD können Sie sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse spekulieren. 

Der größtmögliche Hebel beträgt bei CFDs auf Rohstoffe 1:20. Beachten Sie bitte, dass dabei das Verlustrisiko um den gleichen Faktor ansteigt. Um Zusatzgebühren zu umgehen, sollte der CFD-Handel innerhalb eines Werktages abgeschlossen werden. Das CFD-Trading ist innerhalb der üblichen Börsenzeiten möglich. Handelsschluss ist in der Regel um 22.00 Uhr UTC+2.

Welches sind die spannendsten Erdgas-Aktien?

Gazprom

Gazprom ist sicherlich eine der ersten Aktien, die man mit Erdgas in Verbindung bringt. Kein Wunder, schließlich ist das zu über 50 % in Staatshänden befindliche Unternehmen der weltweit größte Erdgasförderer. Daneben erzielt der Konzern auch Umsätze mit Erdöl und dem Betrieb des kompletten russischen Gaspipeline-Netzes. Dieses Jahr konnte der Konzern, unter anderem beflügelt durch die Fertigstellung von Nord Stream 2, mit einer starken Kursperformance jenseits der 60 % glänzen.

Gazprom ist außerdem für seine außergewöhnlich hohe Dividende bekannt. Die Geschäftsleitung von Gazprom hat angekündigt, einen Großteil ihres Cash-Flows in Dividenden auszuschütten. Wichtig zu beachten: Neben politischen Risiken ist auch der schwache Rubel eine Gefahr. Da Gazprom alle Umsätze und Gewinne in Rubel abrechnet, sind diese bei einer Abwertung des Rubels gegenüber dem Euro hierzulande weniger wert.

Equinor

Ein weiteres Schwergewicht der Branche ist Equinor aus Norwegen. Die Skandinavier sind der zweitgrößte europäische Gaslieferant. Ebenso wie Gazprom ist Equinor kein reines Erdgas-Unternehmen, sondern erzeugt auch durch Öl und Windparks Erlöse. Equinor zahlt seinen Aktionären eine ordentliche Dividende. Aktien der Norweger können zudem ein interessanter Hedge gegen Währungsrisiken des Euro sein, da die Anteilsscheine in norwegischen Kronen notiert sind.

Vorteile des Tradings mit Erdgas-CFDs

Sofern Sie Rohstoffe traden wollen, also kurzfristige Preisschwankungen auf Tagesbasis ausnutzen wollen, ist ein CFD die erste Wahl. Physisch mit Erdgas zu handeln, ist im Gegensatz zu Edelmetallen nicht möglich. Indexzertifikate sind eher für die langfristige Anlage gedacht.

Bei CFDs sind Sie nicht von steigenden Preisen abhängig, da Sie auch bei fallenden Preisen Gewinne machen können, sofern Sie zuvor auf dieses Szenario spekuliert haben. Wenn Sie mit Rohstoffe traden und dabei einen gehebelten CFD benutzen, können Sie Ihre Gewinnchancen (unter Inkaufnahme eines höheren Risikos) vergrößern.

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Risikohinweis Plus500: CFD sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 77% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.